Das Käte Hamburger Kolleg für kulturelle Praktiken der Reparation CURE veranstaltet am Mittwoch, dem 29. April um 19 Uhr unter dem Motto „Abgebrochene Traditionen hörbar machen“ einen Konzertabend in der Johanneskirche.
Im ersten Teil spielt die renommierte japanische Pianistin Naoko Christ-Kato Klavierwerke von Rosy Wertheim (1888-1949), eine von den Nationalsozialisten verfolgte jüdische Komponistin aus den Niederlanden. Die auch in Frankreich, Österreich und den USA tätige Komponistin, Pianistin und Musikpädagogin Rosy Wertheim kehrte 1937 in die Niederlande zurück, wo sie sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagierte, sich mehrere Jahre lang versteckt hielt und geheime Konzerte verbotener jüdischer Komponisten organisierte. Während zahlreiche ihrer Familienmitglieder deportiert und ermordet wurden, überlebte sie den Zweiten Weltkrieg. Allerdings konnte sie nach Kriegsende als Komponistin nie wieder richtig Fuß fassen, so dass ihr Werk heute kaum bekannt ist.
Der zweite Teil des Konzertabends wird von dem in Jerusalem geborenen Musiker und Komponisten Bakr Khleifi bestritten. Bakr Khleifi ist ein palästinensischer Oud Spieler, dessen Arbeit sich zwischen traditioneller Maqam Praxis und zeitgenössischer Komposition bewegt. Seine Musik schöpft aus der Tiefe und Wandelbarkeit des arabischen musikalischen Erbes und schafft einen Dialog zwischen der Oud und orchestralen oder kammermusikalischen Klangwelten.
Der Veranstalter, das von Prof. Christiane Solte-Gresser und Prof. Markus Messling geleitete Käte Hamburger Kolleg für kulturelle Praktiken der Reparation CURE, ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördertes Institut für geisteswissenschaftliche Spitzenforschung. Zusammen mit GastwissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt, die jeweils für ein Jahr in Saarbrücken arbeiten, forscht es zu Erinnerungskulturen und geschichtspolitischen Diskursen sowie individuellen Erfahrungen von Verlust und Beschädigung. Über die wissenschaftliche Arbeit hinaus führt es regelmäßig Kulturveranstaltungen durch. So hat das Kolleg etwa zusammen mit dem UNESCO Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Ausstellung THE TRUE SIZE OF AFRICA ausgerichtet, arbeitet mit dem Saarländischen Staatstheater zusammen und veranstaltet Filmabende, Lesungen und Podiumsdiskussionen.
Die freien Spenden dieses Abends kommen dem
Kulturzentrum LOSA – Maison des Arts in Kin
shasa zugute. Der 2020 von der Künstlerin Géral
dine Tobe gegründete Verein Loboko ya Sansa
(„die Hand, die heilt“) eröffnete im Oktober
2025 das Maison des Arts als Ort für zeitgenössi
sche Kunst, kulturelle Vermittlung und kunstthe
rapeutische Arbeit. LOSA fördert insbesondere
junge lokale Künstler:innen sowie Menschen in
Kliniken und betreuten Einrichtungen und setzt
sich für einen breiten Zugang zu künstlerischer
Praxis, für die Stärkung der psychischen Gesund
heit und für die Weitergabe des afrikanischen
kulturellen Erbes ein. Géraldine Tobe war 2024
Fellow am Käte Hamburger Kolleg für kulturelle
Praktiken der Reparation (CURE). Mit Ihrer
Unterstützung tragen Sie zur nachhaltigen
Arbeit eines unabhängigen Kulturprojekts bei,
das Kunst, therapeutische Ansätze und gesell
schaftliche Teilhabe miteinander verbindet.
